Mit dem Schützenkönig-Ausstich wurde am 19. Juli der letzte Wettkampf des Eidg. Armbrustschützenfestes (EASF), das vom 09.-19. Juli in Weesen zu Gast war, ausgetragen. Joëlle Baumgartner (ASV Rümlang) zeigte dabei Nerven aus Stahl, legte eine beeindruckende Leistung hin und liess sich als zweite Frau in der Geschichte des Schweizer Armbrust-Sports mit dem höchsten Titel auszeichnen, der an einem Eidg. Armbrustschützenfest vergeben wird. Silber und Bronze ging an Irène Beyeler (ASG Schwarzenburg) und Jürg Ebnöther (ASV Ried-Gibswil).
Nachdem sich Joëlle Baumgartner vor vier Jahren am letzten Eidg. Armbrustschützenfest in Neuwilen/TG mit dem zweiten Platz in der Schützenkönig-Konkurrenz zufrieden geben musste, war für sie klar, auf welches konkrete Ziel sie hinarbeiten wollte. «Neben dem Gewinn des Gesamt-Weltcups fehlt mir ein weiterer Titel, den ich unbedingt in mein Palmarès aufnehmen will - und dies ist die Auszeichnung zur Schützenkönigin am Eidg. Armbrustschützenfest!» erklärte Baumgartner in einem Interview kurz vor Festbeginn. Und dieses Ziel hat sie mit einer beinahe nicht zu überbietenden Leistung am EASF2026 in Weesen erreicht!
Kopf-an-Kopf Rennen
Die Qualifikationsresultate waren hoch und es empfahlen sich gleich mehrere der 35 im Final stehenden Sportschützinnen und Sportschützen für den Titel des Schützenkönigs. Die Differenz zwischen dem nach der Qualifikation führenden Jürg Ebnöther (ASV Ried-Gibswil; 295.7 Punkte) und dem zehnten Qualifikationsrang betrugen gerade mal 3.7 Punkte.
Mit 293.5 Punkten belegte Baumgartner hinter Ebnöther, Irène Beyeler (ASG Schwarzenburg), dem Titelverteidiger Simon Beyeler (ASG Schwarzenburg) und Renato Schultheiss (AS Emmental) den fünften Qualifikationsrang. Diese geringen Differenzen zwischen den Wettkämpferinnen und Wettkämpfern liessen alles offen und ein spannender Final durfte erwartet werden.

Die Qualifikation mit dem höchsten Resultat abgeschlossen startete Jürg Ebnöther in der Pole-Position in den Schützenkönig-Ausstich.
Baumgartner nicht zu bremsen
Während die Windverhältnisse den Sportlerinnen und Sportlern an den beiden Vortagen während der Schweizermeisterschafts-Final-Wettkämpfe alles abverlangte, hätten die Schiessbedingungen am Schützenkönigsausstich kaum besser sein können. Das kurze und heftige Gewitter kurz vor Finalbeginn flachte so schnell ab wie es gekommen war.
Baumgartner gehörte dann auch zu denjenigen, die die Phase der Probeschüsse kurz hielt und zügig zum Finalprogramm wechselte. «Ob das Wetter halten würde, wusste ich nicht und so habe ich versucht, meinen Rhythmus so schnell als möglich zu finden und mein Programm zügig und fokussiert zu absolvieren.» erklärte Baumgartner nach dem Wettkampf.
Und sie fand ihren Rhythmus! Pfeil um Pfeil liess sie ins Scheibenzentrum schnellen. Auf zwölf «Zehner» folgte zweimal eine «Neun», denen wiederum 16 «Zehner folgten! Mit dem Tages-Höchstresultat von 298 Punkten (100/98/100), was ein Punkt über dem aktuellen ebenfalls von Baumgartner gehaltenen Weltrekord liegt, beendete Baumgartner den Wettkampf als eine der ersten und hatte sich mit ihrer überragenden Performance eine gute Basis für den Titelgewinn gelegt.

Das von Baumgartner erzielte Resultat von 298 Punkten ist absolute Weltklasse.
Harter Kampf um Silber und Bronze
Es wurde dann bald ersichtlich, dass das Top-Resultat von Baumgartner für den Titelgewinn ausreichen wird - und so entbrannte ein harter Kampf um die beiden verbleibenden Podestplätze.
Michel Stuber (ASG Zug) konnte sich fantastische 297 Punkte auf sein Konto schreiben lassen und auch sein Qualifikationsresultat von 290.083 Punkten konnte sich sehen lassen. Aber der Rückstand aus der Qualifikation war zu gross, als dass er sich für einen Podestplatz hätte empfehlen können.
Jürg Ebnöther konnte mit einem Punkt Vorsprung auf Irène Beyeler bzw. eineinhalb Punkte auf Simon Beyeler in den Final starten. Da war nicht viel Luft und ein Punkt kann unter Umständen auch schnell eingebüsst werden. Das Schwarzenburger Geschwisterpaar schloss den Final mit je 293 Punkten ab - was für Ebnöther bedeutete, dass er ebenfalls 293 Punkte erzielen musste, um den zweiten Podestplatz für sich beanspruchen zu können.
Dies gelang ihm nicht. Mit den von ihm erzielten 292 Punkten hatte er den Vorsprung auf Irène Beyeler eingebüsst und hatte in der Gesamtwertung die identische Punktzahl wie Irène Beyeler auf seinem Konto stehen. Das Reglement besagt, dass in einem solchen Fall das höhere Final-Resultat den Ausschlag gibt. Damit gelang es Irène Beyeler den Qualifikationssieger Ebnöther abzufangen und ihn auf den dritten Podestplatz zurück zu drängen.

Irène Beyeler erkämpft sich verdient Silber
Knapp am Podest vorbei rutschte der Titelverteidiger Simon Beyeler. Seine 293 Punkte aus dem Final reichten nicht aus, den Qualifikations-Rückstand auf Ebnöther wettzumachen und so musste er sich - nachdem er am Vortag Gold in der 2-Stellungs-Schweizermeisterschaft gewinnen konnte - mit dem undankbaren vierten Schlussrang zufrieden geben.

Knapp am Podest vorbei: Titelverteidiger Simon Beyeler.
Königliches Podest
Das Schützenkönig-Podest, auf dem neben der neuen Schützenkönigin eine ehemalige Schützenkönigin und ein ehemaliger Schützenkönig standen, konnte sich sehen lassen.

Eingerahmt zwischen den EASF Co-Präsidenten Ernst Zellweger (links) und Marcel Benz (rechts) die Gewinner des Schützenkönig-Ausstichs (vl): Irène Beyeler (ASG Schwarzenburg; 2.), Joëlle Baumgartner (ASV Rümlang; neue Schützenkönigin) und Jürg Ebnöther (ASV Ried-Gibswil; 3.)
Irène Beyeler konnte sich vor 20 Jahren am EASF-2006 in Ettiswil als erste Frau zur Eidg. Schützenkönigin ausrufen lassen …

Irène Beyeler wird 2006 als erste Frau zur Eidg. Schützenkönigin gekrönt.
… und Jürg Ebnöther stand vor zehn Jahren am Schützenkönigsfinal in Zürich zuoberst auf dem Podest.

Jürg Ebnöther gewinnt den Eidg. Schützenkönigstitel 2016 in Zürich.
Die 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Schlussfinals können stolz auf sich sein. Bereits durch die Teilnahme am Schluss-Final blicken sie auf ein erfolgreiches Eidg. Armbrustschützenfest zurück. Sich in einem Feld von knapp 800 Festteilnehmerinnen und Festteilnehmern unter den besten 35 Armbrustschützinnen und Armbrustschützen wieder zu finden, ist eine Leistung, die Anerkennung verdient.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Schützenkönig-Ausstichs 2026.
Erfolgreiches Coaching
Im kurz nach dem Wettkampf geführten Interview mit Joëlle Baumgartner wollte der EASF Co-Präsident Marcel Benz u.a. auch wissen, wie sie sich den auf das Fest als solches und vor allem auch auf den Schützenkönigs-Wettbewerb vorbereitet habe.
Baumgartner schmunzelte kurz und erklärte, dass sie sich Hilfe geholt hatte: «Ich habe vor wenigen Wochen eine Freundin, die selbst eine äusserst erfolgreiche Karriere als Armbrustschützin durchlebt hat und auch über nationale und internationale Wettkampferfahrung verfügt, gebeten, mich mental aber auch in technischen Feinheiten zu unterstützen. Was sie dann auch gemacht hat.»
Einen Namen hat Baumgartner im Interview nicht genannt - aber in einem anderen Gespräch liess sie dann verlauten, wer ihr da so erfolgreich unter die Arme gegriffen hatte. Es ist keine geringere als Sonja Haller von den Armbrustschützen Horgen, der es gelungen ist, mit Baumgartner Korrekturen in der Schiessstellung auszuarbeiten und umzusetzen und Baumgartner auch mental zu unterstützen und auf die Wettkämpfe vorzubereiten. Mit Erfolg, wie es sich nun gezeigt hat! Neben dem Schützenkönigstitel konnte Baumgartner auch Gold und Silber an den Schweizermeisterschaften gewinnen und auch in den Ranglisten der einzelnen Fest-Stiche ist Baumgartner in den vordersten Rängen anzutreffen.

Sonja Haller (links) hat Joëlle Baumgartner auf ihrem Weg zum Erfolg begleitet und unterstützt.
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- Veröffentlicht: 20.07.2026
- Kategorie: EASF
- Autor: Markus Roth
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